Freitag, 20. Juli 2007

Politische Rapper...

...sind ja programmatisch links. Das hat nichts mit einer echten Einstellung zu tun, neinein, was anderes gibt es schlichtwegs nicht, denn links ist die Sprache der Jugend und jung und wir sind Städter und darum oberurban und mit Ausländern aufgewachsen und tralala. Alles schön und gut. Die leider leidige Folge davon ist, dass man sich 99% des gerappten Schwachsinn kaum anhören kann. Es ist LANGWEILIG, weil einseitig, und ich sage das nicht, weil ich zur braunen Sauce gehöre (schliesslich arbeite ich beim Staat, da ist man Quasibeamter und darum schön rot, hahahaha), sondern ich sage das als Hörer. Politik, das sieht man fast wöchentlich freitagabends bei den Leutschenbachclowns, die sich in eineinhalbstündigen PR-Auftritten präsentieren wollen und dabei dem Zuschauer kein Stück weiterhelfen, ist eben NICHTS einseitiges und vor allem (bezogen auf die Probleme, nicht auf das Marketing) NICHTS plakatives. Im Klartext:

1. Wenn ich politisch einseitige Messages will, brauch ich nur die Plakate der Roten oder der Braunen zu lesen. Das geht schneller und ist meistens griffiger formuliert als Rapperanalphabeten das im Schnitt zustande bringen. Ein Rapper hat die Chance, die Sache zur persönlichen Geschichte zu machen, er hat nicht drei Schlagworte sondern drei Minuten, und die sollte er auch nutzen.

2. Bitte, bitte, bitte, wer immer Ihr seid, die diesen Blog lest, tut mir einen Gefallen und stoppt diese langweilige Klischeekacke!!! Ich weiss, Euer Freund hat sich umgebracht, und darum seid Ihr jetzt Gegner des Waffenverkaufs und die Amis sind darum Schweine, mhmhm, ich fühle mit...NOOOOOOOOOOOOOOOOOT! Sorry, schon tausendmal gehört. Das ist so abgedroschen, das interessiert keine Sau ausser ein paar Truckercaps, die ihre politische Meinung noch fünfmal wechseln, bevor sie überhaupt wählen können.

3. Der wohl wichtigste Punkt: INFORMIERT EUCH! GET EDUCATED! Einseitige Songs sind das eine, aber einseitiges Wissen ist das andere, und da kann Euch jedermann und jedefrau, die sich auch nur im Ansatz Schlau gemacht hat, auf ganzer Ebene das Wasser reichen und zersägt Euren dreiminütigen musikalischen Firlefanz in der Luft. Ganz im Ernst, Ihr müsst was bieten können. Wer politisch wird (und ich meine weniger links-rechts- als vielmehr thematische Fragen), der muss was zu sagen haben, und das, was er sagt, sollte durchdacht sein. Sonst schafft er es evtl., als politische Stimme wahrgenommen zu werden, wird aber von der erstbesten Person, die auch nur fünf Sekunden mehr Zeit ins Thema investiert hat (und einwenig mehr IQ hat, und das ist bei Rappern wirklich schnell möglich), zur Schnecke gemacht.

4. Bis jetzt haben in meinen bescheidenen Ohren gerade mal zwei Menschen es hingekriegt, die oben aufgeführten Kriterien so halb zu erfüllen.Tommy Vercetti mit seinen zwar einseitigen und manchmal für meinen Geschmack zu linken, aber wenigstens durchdachten Aussagen, und, natürlich und diskussionslos, Greis:




Warum ich all das schreibe? Nun, auf meinem kommenden Album werde ich erheblich politischer als auch schon. Keine Angst: es gibt keinen Parteienscheiss, das ist mir egal. Und im Gegensatz zu vielen sehe ich die Dichotomie zwischen "Die Armen haben Geld verdient" und "Ich will selber reich werden und scheisse auf den Rest der Leute" als ein persönliches Spannungsfeld und habe auch die Eier, mich darin zu bewegen. Leider Gottes ist das dann wohl zu wenig programmatisch links. Aber hey, wie gesagt: Politik ist nicht einseitig. Was denkt Ihr?

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