Freitag, 19. Oktober 2007

Who Got Skills?!

Dudes, das Thema hier beschäftigt mich schon länger, aber ich habe bis jetzt die schreiberische Energie nicht gefunden, das aufs digitale Papier zu schwurbeln: Als ich von meinen wohlverdienten Ferien aus den so genannten Vereinigten Staaten (Fuck Bush, jaja...) mit vollem Koffer und leerer AmEx-Karte nach Hause kam, fand ja gerade die Slangnacht statt – DAS Schweizer Rap-Konzert, wenn man denn so will, denn so viele verschiedene Acts gibt’s wohl selten am selben Ort zu sehen. Leider konnte ich, da ich gejetlagged war wie eine Stewardess, nicht hingehen, aber das ist nicht das Thema hier. Vielmehr bekümmert mich das Voting der Slangnacht, eine Art interaktive Plattform, wo man in verschiedenen Kategorien für die persönlichen Rap-Helden des letzten Jahres stimmen und diesen Awards bescheren kann. Dieses Jahr war das Ergebnis das folgende:

Bester Newcomer – The W.O.L.V.E.S.
Bestes Mixtape – Dezmond Dez „Haitian Voodoo“
Bestes Video – Griot „Inner City Blues“
Bester Rap Solo Artist – Greis
Beste Rap Crew – TripleNine
Bestes Album – Griot “Strossegold”

Ausgehend davon, dass dieses Voting nicht getürkt war, möchte ich zwei Awards herauspicken: GriotsStrossegold” wurde ende September 07 zum besten Album gewählt. Releasedatum des Albums: 29.9.2006, also genau ein Jahr vor der Slangnacht.
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Bester Rap Solo Artist wurde Greis. Greis hat im Jahre 2007 bis jetzt (meines Wissens) genau einen Release gehabt, nämlich eine (fantastische) Nummer namensBruches nümm mit Taz auf DJ Ilarius’ Album „Connected“. Greis’ eigenes Album "2" erscheint erst am 16.11.2007.


Der geneigte Leser merkt: im Herbst 2007 kriegt einer also einen Award für ein Album, welches ein nicht mal allzu spätes 2006-Releasedate trägt, und es wird an demselben Event einer zum besten Rapper (des Jahres) gekürt, der noch nicht mal einen eigenen Release innert Jahresfrist gehabt hat! Wenn ich diese Fakten mit der Tatsache vergleiche, dass man in Amerika Filme mit Oscar-Verdacht so timen muss, dass sie in den paar wenigen Monaten vor der Oscar-Verleihung ins Kino kommen, damit sie überhaupt eine realistische Chance auf einen Award haben, so komme ich zum Schluss, dass in der Schweiz die Konkurrenz in Sachen Rap scheinbar kümmerlich schwach ist. Damit möchte ich die beiden prämierten Künstler nicht kleinreden, sondern vielmehr ihre Konkurrenz, denn Releases gibt’s in unserem kleinen Land ja wie Sand am Meer, und selbsternannte Künstler auch. Dass ein Album in der schnelllebigen Zeit der Musik ein Jahr nach Release zum besten Album gekürt wird, spricht für das Produkt, aber auch hart gegen alle anderen, welche später veröffentlicht wurden und es offenbar nicht schafften, dem wählenden Volk im Ohr zu bleiben. Und dass ein Rapper, den es schon ewig gibt, ohne eigenen Release zum besten Rapper (des Jahres) gewählt wird, spricht zwar für ihn, aber eben auch vielen anderen den Titel „legitimer Künstler“ ab. Ohne hier Namen zu nennen muss man sich schon fragen, was denn mit all diesen "Superreleases in den ersten 6-7 Monaten von 2007 passiert ist... In diesem Sinne, Ihr Newcomers, Jungstars und Overtakers: Geht nach Hause und übt. Oder lasst es gleich bleiben. Ich gehe „Movement“ hören.

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