Damen und Herren, wie versprochen kommt jetzt mal wieder was persönliches: Gestern hielt ich meine erste Vorlesung. Genau, meine Freunde, VORLESUNG. Nicht schäbige Übungen, kein Vortrag in einer Kleinbearbeitungsgruppe für irgendein Kompetenzfach im siebzehnten Nebenstudium, nein, we're talking Vorlesung hier, vor richtigem Publikum und so, ganz anders also, als wenn ich rappe, hahaa! Der Grund, warum ich das hier erwähnte, ist folgender: Logisch ging ich mit meinem Stilbewusstsein der Funktion entsprechend gekleidet dahin, we're talking gut sitzender Anzug, ich trug mehr Ties

als asiatische Sänften, dazu beige Chinos und den alten schwarzen unschlagbaren Rahmenschuh. Das ganze Programm. Dort redete ich dann hart über Stellvertretungsrecht und solchen Scheiss, der hier nicht weiter zu interessieren braucht. So weit so gut.
Das Feedback, das ich bekam, war ziemlich gut, aber: es handelte nie, nie von meinen Kleidern. Das schien den Leuten irgendwie recht egal zu sein, es ging mehr darum, was ich sagte, und wie ich es sagte. Mag sein, dass mein Auftreten einen Teil beitrug, aber unter dem Strich hätte ich wohl auch im T-Shirt dastehen und das gleiche erzählen können, es hätte dem Eindruck der Leute wenig genützt oder geschadet.
Lustigerweise scheint es bei Rap genau umgekehrt: je mehr Kleider und je mehr Gimmicks, desto mehr respektiert scheint die Sache. Lyrics, Mentalität, the way they say things, das scheint relativ unentscheidend. Nein, das wird kein Realkeeperbeitrag, dafür trage ich zu viele Intifada-Schals mit Neonshirts, I'm just stating facts here. Oder wie sonst sollte Souljah Boy

so erfolgreich werden können? Hat jemand mal zugehört, was der Typ erzählt? Und nein, versteht mich nicht falsch, auch ich fühle seine Tunes (insbesondere die Ringtone-getrimmten Sachen, hahahaa), aber wie kann so jemand quasi ein Star werden? Der hat weder Message noch wirkliche lyrische Skills noch irgendwas anderes, ich weiss echt nicht, wie der sein Album überhaupt mit Lyrics füllen konnte, da war doch gar nicht genug vorhanden?! Klar: Musik ist Entertainment und fuck the message und so, ja, da bin ich einverstanden, auch mir geht Kweli sauber auf den Geist, aber man muss ein ganz einfaches Wesen sein, wenn man sich 2007 noch von diesem Scheiss unterhalten lässt, wenn solche Sachen überhaupt Entertainment sein können! Rapper X schreibt 'ne Hook zum mitsingen? Was für ein cleverer Bastard, das ist mal was neues! Und dann kommt es raus, und jeder Vollidiot mit Sidebag und anständigen Lederschühchen schreit "Party like a Rockstar". So ist die Welt: Things are complicated, keep it (the fuck) simple. Aber genau deswegen wird die ganze Kacke immer öder und öder. Und dann höre ich Jay-Zs erste Strophe von "Ignorant Shit" und merke einmal mehr, dass Dude dem Lyricism nähersteht als in diesem Satz das Wort "nähersteht", haha. Ich freu mich auf Freitag, denn he doesn't need a hook for this. Bis dahin höre ich Mstrkrft. Oder DJ Ilarius. Im T-Shirt jetzt wieder. Der Anzug spielt ja keine Rolle.
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