In letzter Zeit wird Rap weltweit vermehrt zum Politikum. Keine Angst, ich meine ausnahmsnweise mal NICHT die Fuchs-Situation, wie ich sie tarantinomässig ab nun nennen werde, sondern rede von globaleren Zusammenhängen. Die Tatsachen sind klar: die Verkaufzahlen sind im Eimer, und zwar im gigantischen Stil, und mal wieder fragen sich alle warum. Jeden Tag glaubt ein neuer Seelenheiler, er hätte die Wunde des Genres gefunden und könne sie nähen, und jeden Tag scheitert ein anderer. Der eine redet von zu viel Negativ-Message, der andere von zu wenig Kreativität etc. Alle diese Gründe deuten doch nur auf eines hin:
In Zeiten, in denen man JEDES (!!!) Album problemlos downloaden kann, muss das Album als Produkt aufgewertet werden. Die Leute müssen einen Grund haben, etwas zu kaufen, was sie gratis haben könnten. Und nein, meine lieben Sammler-Freaks:

Die Tatsache, dass man beim Kauf einer CD noch das Booklet kriegt, reicht nun wirklich nicht als Anreiz. Es geht eben nicht mehr nur um Musik als gute Unterhaltung (weil man die problemlos gratis kriegt), sondern es muss eine Beziehung zwischen Produkt und Kunde entstehen, mit anderen Worten: Der Kunde muss sich im Künstler erkennen können. Dadurch hat der Kunde nachher einen Grund, das Album zu kaufen, OBWOHL es gratis erhältlich ist. Nun ist es aber so, dass - um die Argumentation auf eine andere Ebene zu transferieren - sich ein (Hobby-)Fussballer zwar mit allen anderen Fussballern grundsätzlich identifizieren kann, er aber trotzdem nur einem (oder von mir aus einigen wenigen) richtigen Vorbildern nacheifert. Ist er ein Techniker, liebt er wohl Cristiano und Ronaldinho, ist er ein Brecher, steht er eher auf Wayne Rooney und Jean-Michel Tchouga (jaja, just kidding...), aber er entscheidet sich für einen Stil, und den will er verfolgen bzw. den bewundert er, und mit dem identifiziert er sich.

Das Problem bei Rap ist nun, dass es zu viele Waynes und zu viele Cristinanos, kurz: zu viele von derselben Sorte gibt. Obwohl die Nachfrage nach Rap riesig war (und es wohl im Verhältnis noch immer ist), kommt einfach zu viel raus, das sich in keinster Weise vom ganzen Rest abhebt. Damit meine ich nicht, dass die Leute sich thematisch unterschiedlicher entwickeln sollten (was zwar auch gut wäre), sondern dass die Leute im Rahmen dessen, was sie tun, sowohl lyrisch als auch vom Klangbild her (also auch, WIE sie Sachen rappen, sprich nicht die Lyrik, sondern die Delivery) zu ähnlich klingen. Das Resultat davon: weil das menschliche Ohr ob all der Masse an gleich klingenden Sachen nur noch diejenigen Songs wahrnimmt, die rausstechen, wird die Anzahl solcher Songs pro Album zum Hauptkriterium darüber, ob ein Album einem eben bleibt, sprich ob man es kauft, oder ob es an einem vorbeigeht, sprich ob man es downloadet und löscht, sobald die externe Festplatte an die Grenze ihrer Kapazität kommt. Beispiel gefällig?

Fabulous ist der coolste Rapper von New York, aber er hat nur drei Songs, die eine Art eigenen Flavor reinbringen (Diamonds, Brooklyn, Haha). In einer Zeit, in der Alben überall downloadbar sind, reicht das einfach nicht für Identifikationspotential, da ist zuwenig "spezielles", "typenbezogenes" Material vorhanden. Das Album (oder eben diese drei Songs) ist dann zwar cool, aber nicht cool genug, gekauft zu werden, ein Download reicht da. Gegenbeispiel:

T.I. kratzt trotz weltweiten Verkaufseinbrüchen locker am Platinstatus. Warum? Weil keiner so klingt wie er. Weil er konsequent doubletimet mit South-Swagger, weil er die Hooks mit dieser ATL-Stimme halb singt, halb redet. Weil auch die Beatauswahl ein Konzept hat und NICHT einfach dem entspricht, was man auf einem 0815-Album erwartet. T.I. zieht sein Ding durch, was dazu fühht, dass seine Alben eben nur von T.I. sein können und von niemandem sonst. Wer T.I. mag, kommt nicht darum herum, T.I. zu kaufen. Logisch habe ich mir T.I. vs. T.I.P. reingezogen, und enttäuscht worden bin ich beileibe nicht.
Fazit: Rausstechen muss man. Und genau das werde ich mit meinem Album auch versuchen. Daraus entstehen dann ACRs, und das gefällt dann auch Tschakklin. Merci beaucoup!
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