Montag, 23. Juli 2007

In den letzten Tagen...

...habe ich mit anderen Leuten mit mehr IQ als der Rapperdurchschnitt (oder Durchschnittsrapper, hahaha) eine mehr als interessante Diskussion geführt um die Frage, warum Rap immer so schnell mit Gewalt in Verbindung gebracht wird, bzw. wie es passieren kann, dass ein Politiker wie Thomas Fuchs diesen Link herstellt und - jetzt kommt das Problem - damit auf offene Ohren stösst. Eines ist dabei offensichtlich: wir featuren in unseren Videos und in unserem Auftreten viele der Elemente, die auf einen fortwährenden Machtkampf hindeuten. 99% von dem, was Rapper machen, ist darauf ausgerichtet, zumindest sublim dem Gegenüber zu zeigen, dass man besser (in irgendeiner Flexionsform des Wortes) ist als der andere.





Goldketten (ich habe mehr Geld), Autos (ich habe mehr Geld), Guns (ich bin stärker), Chicks (ich bin schöner/komme besser an/habe mehr Geld:-)), vergoldete Zähne in Form von Grills (ich habe mehr Geld) - die Liste lässt sich beliebig fortführen, doch in allem wird klar, dass Rapvideos nicht brüderliches Miteinander thematisieren, sondern schlussendlich den Machtkampf fortführen, den Darwin schon in der Natur des Menschen festgestellt hat.

In diesem Sinne lässt sich fragen, ob der jeweilige Aufschrei des elterlichen Golfclub-Establishments, wenn sie Schwarze mit Gallardo-Lamborghinis und Knarren in der Hand sehen, ein Aufschrei der Angst vor dem Fremden und der Gewalt ist oder eine schlussendliche Angst vor dem System, dass sie selbst etabliert haben und leben: wer sich im Kapital nach oben arbeitet, lebt den Sozialdarwinismus. Eine negative Folge davon ist, dass man akzeptieren muss, dass andere diesen halt genau so leben. Und dass Rap diesbezüglich einen offenen Umgang mit der Dekadenz pflegt, ist problemlos sichtbar.

Was kann man tun (sofern man denn etwas tun will)? Andere solche Videos schiessen momentan scheinbar am Ziel, nämlich den (sonst schon spärlich laufenden) Plattenverkäufen vorbei. Ein zu Ende gedachtes Ändern des Systems, eine Rückkehr zu einem non-monetären Grundaufbau, macht aber wohl auch nicht allzu viel Sinn: Wer Michel Houellebecqs Ausweitung der Kampfzone gelesen hat, der weiss, dass sich der Sozialdarwinismus nicht verdrängen lässt, dass er sich zur Not und bei sämtlichen Unterdiearmegriffen der Gesellschaft zwar in Randgebiete zurückzieht, aber spätestens beim Paarungsverhalten der Menschen trotz allem wieder Einzug hält. Am besten also, man wartet. Wartet, bis der lebenstechnische Machtkampf implodiert, wartet, bis das Umdenken im kleinen Rahmen stattfindet. Dann wird's wohl auch wieder Platz haben für anderes. Wenngleich dies, nach Darwin und Houellebecq zumindest, dann reine Soziallüge sein wird, denn auch wenn man Wasser predigt, trinkt man Wein: der fittere überlebt. So ist es nun mal.

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